Kinder & Familie, mama zuhause
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„Mama – ich möchte nicht mehr in den Kindergarten“

„Mama – ich möchte nicht mehr in den Kindergarten“ 

Der Satz vor dem sich viele Eltern fürchten

„Mama – ich möchte nicht mehr in den Kindergarten. Ich möchte lieber mit meiner Familie zusammen sein“. Das waren die originalen Worte meiner Tochter vor etwa zwei Monaten. Ich glaube es war an einem Sonntagabend vor dem Schlafengehen. Als ich das gehört habe, klingelten bei mir alle Alarmglocken. Gleichzeitig habe ich versucht den Satz nicht zu dramatisieren. Natürlich habe ich nachgefragt, warum sie nicht mehr in den Kindergarten möchte. Trotzdem habe ich die Sache runtergespielt und so etwas gesagt wie „ach Quatsch – du liebst doch deinen Kindergarten und möchtest doch deine Freunde wieder sehen.“ Darauf kam keine Reaktion, und wir haben das Thema nicht weiter vertieft. 

Der private Kindergarten

Unsere Tochter ist jetzt 4,5 Jahre alt. Wir haben sie mit 18 Monaten im Kindergarten, bzw. in der Kita eingewöhnt. Sie geht in eine private Einrichtung im nächsten Nachbardorf. Die Anfahrt dauert 10 – 15 Minuten je nach Verkehrslage. Damals hatten wir keine andere Wahl, weil die Tagesmütter alle ausgebucht waren und städtische Kindergartenplätze erst zum August vergeben wurden (unabhängig davon, dass man keinen Einfluss auf die Auswahl des Kindergartens hatte).

Die Firma, für die ich gearbeitet habe, ging während meiner Elternzeit mit unserem ersten Kind bankrott. Es war schwer sich aus dieser Situation auf eine neue Stelle zu bewerben. Wer möchte schon eine junge Mutter, die wahrscheinlich bald mit einem Geschwisterchen fürs erste Kind nachlegen wird. Irgendwann hat es doch geklappt, aber ich musste im Juni mit einer vollen Stelle anfangen. Geplant war eigentlich, dass ich Teilzeit arbeite. Für die Eingewöhnung meiner Tochter in der Kita haben wir uns 6 Wochen genommen. Es lief eigentlich reibungslos ab. Mit 18 Monaten sind die Kinder meiner Erfahrung nach noch nicht so schwierig bei der Eingewöhnung wie es Zweijährige sein können. Das habe ich auch wieder Anfang diesen Jahres bei der Eingewöhnung unseres Sohnes mitbekommen. Parallel wurde eine Zweijährige eingewöhnt, die sich der ganzen Situation einfach schon viel bewusster war. Zu den Erzieherinnen schien sie einfach keine Beziehung aufbauen zu können. Sie hat durchweg die ganze Zeit geweint bis die Mutter wieder gekommen ist. Mittlerweile geht es bei ihr aber auch ohne Weinen. Das Mädchen hat einfach viel länger gebraucht, um im Kindergarten wirklich anzukommen. Und jedes Kinde ist ja bekanntlich anders. Glücklicherweise durfte ich jetzt mit zwei Kindern meine Arbeitszeit auf 20 Stunden reduzieren, so dass ich die Kinder schon um 15 Uhr abholen kann.

Ein privater Kindergarten ist eine finanzielle Belastung. Gar keine Frage. Mein Mann und ich haben aber immer gesagt, dass es uns das Geld wert ist und dass wir unsere Tochter nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen möchten, um Geld zu sparen. Wir hätten letztes oder dieses Jahr sicher in einen städtischen Kindergarten wechseln können. Unsere Tochter ist aber jeden Tag mit großer Freude in ihren Kindergarten gegangen. Auch wenn ich sie manchmal recht spät und als Letzte abgeholt habe, war sie nie traurig. Das war für uns ein großer Segen. Das gibt man nicht so schnell auf. Zumal der Kindergarten auch während der Ferien geöffnet ist und es keine Probleme mit Streiks o.Ä. gibt.

Auf ein Mal ist alles anders

Vielleicht haben wir in letzter Zeit zu oft gesagt wie dankbar wir sind, dass wir keine Probleme mit dem Kindergarten haben. Von Bekannten und Freunden hören wir immer wieder über Sorgen und unschönen Geschichten rund um das Thema Kita. Plötzlich stehen wir vor einem viel größeren Problem, denn es gibt ja unseres Wissens keinen Grund dafür, dass unser Mädchen auf ein Mal lieber Zuhause bleiben möchte. Die Erzieherinnen sind alle nett, die Kinder kommen alle aus gutem Hause, die Betreuung ist sehr persönlich. Wenn das Essen mal nicht schmeckt, gibt es Extrawürste mit Ketchup. Was also ist um Himmels willen los?

Ich beobachte meine Tochter beim Abholen und bilde mir ein, dass sie öfter alleine in der Gruppe steht und nicht mehr mit den anderen Kindern spielt. Meinem Mann erzählt sie tatsächlich, dass die Freunde nicht mehr mit ihr spielen möchten: „Der Einzige, der nie nein sagt, ist Filip.“ Ich bespreche das mit meinem Mann und wir vermuten, dass es mit dem Weggang von Charlotte zu tun haben könnte. Im Dezember letzten Jahres ist die ‚beste Freundin‘ unserer Tochter in einen anderen Kindergarten gewechselt. Einer, der näher am Wohnort der Familie ist und zudem ab 3 Jahren nichts kostet. Ich kann den Schritt nachvollziehen, und das Kind hat die Umstellung wohl gut weggesteckt. Seitdem ist Charlotte eigentlich trotzdem jeden Tag in den Gesprächen anwesend. Manchmal sage ich zu unserer Tochter, dass Charlotte doch gar nicht mehr in ihrem Kindergarten ist, wenn sie wieder Geschichten erfindet. Ansonsten soll man den Kindern ja ihre Fantasie lassen, sie nicht ständig auf den Boden der Tatsachen zurück holen sondern ruhig mitspielen, wenn es sich nicht um schlimme Lügen handelt. 

Als unser Mädchen eines Morgens im Auto fast anfängt zu weinen und sich beim Hausschuhe anziehen an ihren Papa klammert, sind wir aktiv geworden. Unsere Tochter war zwar tapfer und hat nicht richtig beim Verabschieden geweint, aber man hat ihr angemerkt, dass es ihr schwer fällt. Uns zuliebe hat sie sich zusammengerissen, obwohl sie gerne wieder nach Hause gefahren wäre. Ich habe also um ein Entwicklungs-Gespräch mit der Leiterin der Kita und den verantwortlichen Erzieherinnen gebeten. Diese Gespräche werden nicht standardmäßig bei jedem Kind geführt, aber wer es einfordert, bekommt auch sofort einen Termin. Wir machen das regelmäßig, auch wenn eigentlich kein Gesprächsbedarf besteht. Die Erzieherinnen erleben die Kinder einfach noch mal ganz anders und können wichtige Impulse zur Erziehung und Entwicklung geben.

Das Entwicklungsgespräch

Wir sind bewusst nicht mit unserer Sorge in das Gespräch eingestiegen sondern haben erst mal die Erzieherinnen sprechen lassen. Ich hatte mir schon den Verlauf dieses Termins  ausgemalt, aber es kam ganz anders. Keiner hat eine große Veränderung in dem Verhalten unserer Tochter bemerkt. Es würde ihr grundsätzlich schwer fallen sich auf eine Sache zu konzentrieren und sich an Regeln zu halten. Das war uns nicht neu. Aber deshalb musste sie auch in letzter Zeit öfter mal eine sogenannte ‚Pause‘ machen und still am Tisch sitzen, z.B. mit einem Puzzle. Das hat sie Zuhause nie erzählt. Uns hat sie immer nur berichtet, wer von den großen Jungs wieder eine Pause machen musste. Vielleicht hat ihr das nicht gut gefallen. Ansonsten sei sie immer fröhlich und würde eigentlich auf alle Kinder sehr offen zugehen. Dass Charlotte weg ist, haben die Erzieherinnen als gar kein Problem gesehen. Zu unserer Verwunderung hätten die beiden Mädchen während der gemeinsamen Kindergartenzeit gar nicht so viel miteinander gespielt. Manchmal fantasieren sich die Kinder auch viel zusammen. 

Jedenfalls sind wir mit einem guten Gefühl und beruhigter Seele aus dem Gespräch gegangen. Die Erzieherinnen haben uns ermutigt auch zu Hause etwas konsequenter mit der Einhaltung von Regeln umzugehen – Beispiel Essmanieren. Mit vier Jahren testen die Kinder ständig ihre Grenzen aus. Unsere Tochter hat mal so schön gegessen und jetzt ist alles hinüber. Wir reden uns wirklich den Mund fusselig, aber wir sind auch nicht die Typen, die Regeln zu Papier bringen und bei Nichteinhaltung Strafen verteilen, bzw. Belohnung bei Befolgen.

Playdates am Nachmittag

Beim Nächsten Abholen vom Kindergarten mache ich zwei Playdates aus: mit den Kindern, von denen ich glaube, dass unsere Tochter sie gerade besonders mag. Erst da ist mir aufgefallen, dass wir schon lange keine anderen Kinder mehr zum Spielen bei uns hatten. Seit Ankunft des kleinen Bruders, war dafür nicht so viel Raum. Wenn der Kindergarten bis 15 Uhr geht und an drei Tagen noch Programm mit Turnen, Tanzen und Schwimmen ist, bekommt man beinahe Freizeitstress. Es ist natürlich alles nur eine Frage der Organisation.

Unsere Tochter hat sich sehr auf die bevorstehenden Spiel-Treffen mit den Kindergartenfreunden gefreut. Von heute auf Morgen gab es plötzlich auch kein Gejammer mehr, dass sie lieber mit mir und ihrem Bruder zuhause bleiben möchte. Gott sei Dank, denn ich war ja kurz davor wieder in meinen Beruf einzusteigen. Dass unser Sohn jetzt auch in die gleiche Kita geht, hat auch sehr viel geholfen. Die große Schwester darf ihn nun immer mitabgeben in der Zwergengruppe und dann selber in die Riesengruppe gehen.

Alles wieder beim Alten

Manchmal erledigen sich die Dinge von allein. Oft mache ich mir zu viele Gedanken über alles. Aber es ist wichtig, den Kindern zuzuhören, ihre Probleme ernst zu nehmen und diesen nachzugehen. In dem Alter müssen die Kleinen so einige, neue Emotionen verarbeiten, dass es manchmal vielleicht einfach zu viel ist. Dann sind sie schlecht drauf und brauchen besonders viel Nähe. Das Gespräch mit den Erzieherinnen – und zwar nicht zwischen Tür und Angel, sondern mit Ruhe unter 4 Augen – war für uns eine große Hilfe und Erleichterung.  Gestern war wieder ein Kindergartenfreund zum Spielen bei uns. Heute ist Großelterntag. Am Sonntag werden sich beide Kinder hoffentlich wieder auf eine neue Kindergartenwoche freuen!

Hast du auch schon Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Erzähl doch mal….

7 Kommentare

  1. Raeuberkindermama sagt

    Oja, wir haben das leider auch öfter, das zumindest einer unserer zwei Räuber nicht zum Kindergarten mag… Das ist teilweise sehr belastend, da wir mit dem Großen eine unschöne Vorgeschichte in der Krippe hatten. Am Ende ging es da um Mobbing und wir haben es viel zu spät gemerkt, weil nachfragen bei dem Erziehern immer nur heruntergespielt wurden, was sicherlich auch am Personalmangel oder z.T. an der mangelnden Erfahrung der noch recht jungen Kinderpflegerin lag, die oft aökein mut 12 Kindern wsr… und auch zu Hause haben wir die Sache nicht ernst genug genommen… wenn er gesagt hat, der xy hat mich geärgert, dann haben wir oft genug gesagt, dann spiel einfach mit dem und dem. Er hat natürlich auch seinen Beitrag zu der Situation damals geleistet und ist auch kein Unschuldslamm, aber das so wichtige Gespräch mit der praktisch nie anwesenden Gruppenleitung kam erst viel zu spät zu Stande, als er morgens panisch darum gebeten hat, nicht zum Kiga zu müssen. Da werde ich jetzt immer schnell hellhörig und mache mir Sorgen. Aber die Erzieher im Kiga kennen sie Vorgeschichte und wir tauschen uns regelmäßig aus. Dennoch merke ich auch wie gut es den bei den tut wenn wir möglichst viel Zeit zusammen verbringen, was aufgrund der Arbeit und meines langen Arbeitsweges leider nicht immer so möglich ist, wie wir das gerne hätten. Aber normalerweise gehen sie gerne und wollen oft beim abholen noch zu Ende spielen. Kommunikation ist wohl das Schlüsselwort… sowohl mit den Kindern selbst, als auch mit dem Personal, dass ja schließlich einen beachtlichen Teil des Tages mit unseren Kindern verbringt.

    • Julia sagt

      Vielen, vielen Dank, dass du deine wertvolle Erfahrung hier teilst. Da habt ihr wirklich was hinter euch! Es freut mich sehr zu lesen, dass ihr den hohen Stellenwert der ständigen Kommunikation erkannt habt. Auch wenn man manchmal einfach so müde ist und keine Lust auf Smalltalk hat, müssen die Erzieherinnen merken, dass man sich interessiert, auch zuhause über alles spricht, was im Kindergarten passiert und ihre Arbeit wert schätzt. Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal in den Kitas und Kindergärten ist wirklich erschreckend. Jeder, der einen Kindergartenplatz hat, in dem sich das Kind wohl fühlt, muss das als Geschenk betrachten, obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte. Ich wünsche euch und euren Kindern noch eine tolle Kindergartenzeit bis die nächste große Herausforderung mit der Schule kommt… 😉 Alles Liebe, Julia

      • Raeuberkindermama sagt

        Danke! Das wünsche ich euch auch! Schule dann ab nächstem Jahr… kaum zu fassen… Wo ist die Zeit nur hin? Das birgt dann sicher direkt die nächsten Herausforderungen. Es wird definitv nicht langweilig. 🙂 Liebe Grüße und bis bald!

  2. Huhu meine Liebe!! Hab deine Zeilen ganz gespannt gelesen und freue mich, dass es doch gut ausgegangen ist!!! Ich kenne das Thema als Mami auch selbst sehr gut und auch bestens aus Erzählungen und Beobachtungen. Ich glaube oft ist auch das Problem, dass an die Kinder völlig falsche Erwartungen, seitens der Kindereinrichtung gesetzt werden und die Zwerge leider schnell in Schubladen kategorisiert werden. Kinder sollten noch Kind sein dürfen und ich glaube, dass ihnen leider viel zu oft die Freude durch falsche Erwartungshaltungen der Betreuerinnen genommen werden. Hab mich erst selbst mit dem Thema anlassbezogen beschäftigt und lass dir gerne den Link da!! Euch weiterhin alles Liebe und vor allem viel Spass!! Viele Grüsse Mama vom Mond

    • mamanille sagt

      Herzlichen Dank für deinen Beitrag zu diesem Thema liebe Mami vom Mond.
      Das mit den Schubladen kenne ich noch gut aus der Schulzeit – ist man einmal drin, kommt man nur schwer wieder raus. Gott sei Dank haben wir noch zwei Jahre Zeit bevor es dann mit dem Wahnsinn Schule los geht. Wenigstens die Kindergartenzeit sollte doch unbeschwert und einfach nur glücklich sein. Erst gestern konnte ich meinen Sohn leider erst um 17:30 Uhr abholen – zu der Zeit schließt unser Kindergarten, d.h. er war der Letzte. Im Stau auf der Autobahn von Köln nach Düsseldorf hat mich das schlechte Gewissen schon fast aufgefressen. Aber es war alles in Ordnung – mir lief ein freudestrahlendes Kind entgegen, das es offensichtlich sehr genossen hat mit der lieben Erzieherin alleine ALLE Bücher durchzuschauen, die es mit Hunden gibt. Auch meine Tochter hat nach der kurzen schlechten Phase ihren Kindergarten wieder für sich entdeckt und ist dort sehr glücklich. Dafür sind wir unendlich dankbar. Deinen Link werde ich gleich mal verfolgen. Bin gespannt was du noch zu berichten hast! Alles Liebe, Julia

  3. Es kann auch sein, dass sich die Kinder nicht im Kindergarten wohl fühlen oder gehänselt werden. Man sollte ruhig auf die Stimmungen achten, wenn das Kind dergleichen sagt. Allerdings ist ein Gespräch mit dem Erzieher erst dann notwendig, wenn man das häufiger hört. Es kann auch sein, dass das Kind einen schlechten Tag hatte. Bei meinen Neffen war das damals auch so.

    • mamanille sagt

      Hallo Emmi, lieben Dank für deinen Beitrag zu dem Kindergarten-Thema. Du hast absolut Recht – bei den Kindern ist es auch oft tagesformabhängig, ob sie gerne in den Kindergarten gehen oder nicht… Bei uns läuft es momentan wieder richtig gut. Es ist eine Freude zu sehen wie die Kinder im Kindergarten aufblühen und jeden Tag neue Dinge lernen. Ich hoffe bei euch ist auch alles gut. Herzliche Grüße, Julia

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