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Mama-Papa-Zeit: unser Wochenende in Paris

Mama-Papa-Zeit: unser Wochenende in Paris

Sich trauen die Kinder abzugeben – die wichtige Rolle der Großeltern

Im Februar haben mein Mann und ich seit der Geburt unseres zweiten Kindes (also seit 1,5 Jahren) endlich das erste Mama-Papa-Wochenende zusammen verbracht. In Paris. Wir haben das große Glück, dass meine Schwiegereltern in der Nähe wohnen. Sie haben die Kinder gerne um sich und sind noch sehr rüstig für ihr Alter. Jeden Freitag ist bei uns Großeltern-Tag, wenn diese nicht auf Reisen oder in ihrer Wohnung an der Cote d’Azur sind. Daher haben beide Kinder eine gute Bindung und viel Vertrauen zu ihrer Großmami und dem Großvater. Trotzdem hat es über ein Jahr lang gedauert bis wir uns getraut haben beide Kinder über mehr als eine Nacht ‚abzugeben‘ und uns dabei so weit zu entfernen, dass wir nicht in der Not wieder schnell zur Stelle sind. Ich finde, dass man das auch wirklich erst tun sollte, wenn man soweit ist. Wenn man sich voll und ganz sicher sein kann, dass die Kinder gut aufgehoben sind und ihre Eltern kaum vermissen werden. Ansonsten könnte man doch die kostbare Zeit nicht unbeschwert genießen.

Unser kleiner Sohn und seine große Schwester (4) haben sich unheimlich auf dieses Wochenende gefreut, weil wir sie auch entsprechend darauf vorbereitet haben. Ich habe ihnen immer wieder erklärt, dass die Eltern unbedingt mal Zeit für sich alleine brauchen, damit sie wieder Kraft tanken können. So wie bei einem Akku, der irgendwann aufgeladen werden muss. Das Übernachten bei den Großeltern haben wir auch vorher geübt. Erstmal nur eine Nacht und mit Mama und Papa in der Nähe. Meine Schwiegereltern machen ihre Sache wirklich hervorragend. Beide Kinder fühlen sich bei ihnen absolut geborgen und zuhause. Also war die die Vorfreude auf ein langes Wochenende bei Großmami und Großvater gesichert, und wir konnten völlig entspannt unsere kleine Reise antreten.

Ich frage mich oft wie Eltern ihr Leben meistern ohne die Unterstützung von den eigenen Eltern oder Schwiegereltern. Es gibt wohl mittlerweile in vielen Städten Initiativen, die sogenannte Leih-Omas und -Opas vermitteln. Ältere Leute, die selbst keine Enkelkinder haben, bieten ihre Unterstützung an und übernehmen gerne für eine bestimmte Familie die Rolle der Großeltern. Die besten Freunde meines Vaters, die leider kinderlos geblieben sind, machen das zum Beispiel mit Begeisterung. Ich würde jedem empfehlen diese Chance in Anspruch zu nehmen. Ein Versuch ist es wert.

Endlich Zeit – nur für uns

Was mich zu der Planung dieses Wochenendes im Februar angetrieben hat? Es war einfach Zeit, dass mein Mann und ich sich mal wieder um uns kümmern. Um uns als Paar, ohne Kinder und fernab der eigenen vier Wände. Es ist doch oft so, dass der Alltag überhand gewinnt. Irgendwann gehen kleine, aber wichtige Rituale wie der Gute-Nacht-Kuss verloren, ohne dass man es gewollt und gemerkt hat. Man kommt an den Punkt wo man sich fragt, ob eigentlich noch alles in Ordnung ist. Man hofft es. Da ich ab April wieder arbeiten werde, wollte ich unser Wochenende gerne noch vor Ablauf der Elternzeit verbringen. Mit einigermaßen freiem Kopf. Außerdem sind meine Schwiegereltern ab Ostern immer für 6 Wochen in Südfrankreich. Mitte Mai, wenn im heimischen Garten die Rhododendren blühen, kommen sie wieder nach Hause.

Paris natürlich – immer eine Reise wert

Ein Ort der Sehnsucht ist für uns immer Paris. Auch nicht zu weit weg von zuhause. Die Entscheidung war schnell gefallen. Eigentlich wollten wir mit dem Thalys fahren, aber den hätten wir schon früher buchen müssen. Fliegen war wesentlich günstiger. Die Flugzeiten hatte ich so gewählt, dass wir die Kinder nach dem Frühstück auf dem Weg zum Flughafen am Freitagmorgen bei den Schwiegereltern abgegeben haben. Wir sind nur mit Handgepäck gereist, was viel Zeit spart. Kaum im Flugzeug gesessen habe ich die Augen zu gemacht und mir zuerst eine Portion Schlaf gegönnt. Fantastisch. Mit dem Roissy-Bus sind wir vom Flughafen direkt zum Place d’Opéra gefahren. Dort war auch unser Hotel. Um die Abfahrtstelle dieses Busses zu finden, mussten wir uns durchfragen und noch ein ganzes Stück laufen. Die Beschilderung am Flughafen war katastrophal. Je nachdem um welche Uhrzeit man fahren möchte, ist es wahrscheinlich besser den Zug zu nehmen und dann vom Gare du Nord mit der Metro weiter zu fahren, um Staus zu umgehen. Ich habe die Busfahrt genutzt, um unseren Freitagabend zu organisieren. Den hatten wir uns noch offen gelassen. Samstag und Sonntag war bereits komplett verplant. Aus Spaß habe ich mal auf der Seite vom Moulin Rouge nach Tickets geschaut. Da wollte ich schon immer mal hin. Und siehe da – es gab tatsächlich noch Tickets. Dafür liebe ich meinen Mann, dass er für solche Aktionen auch gleich zu haben ist. Eine Karte hat zwar 150 Euro gekostet, aber das war uns egal. Alles mitnehmen, was geht. Wer weiß, wann wir das nächste Mal wieder die Chance haben Paris ohne Kinder zu besuchen. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind, als die Abbuchung von der Kreditkarte durch war und ich meine Moulin Rouge Online Tickets auf dem Handy hatte. Die Vorstellung sollte im 21 Uhr beginnen.

Unser Hotel – direkt an der Oper

Unser Hotel Richmond, ein drei-Sterne Haus fußläufig nur 5 Minuten von der Oper entfernt, hatte ich über booking.com gebucht (für nur 100 Euro pro Nacht). Das fand ich schon ungewöhnlich günstig für diese Lage in Paris. Es war zwar Februar, aber trotzdem war es das Valentinstags-Wochenende und Chinese New Year. Ich war etwas nervös, aber umsonst. Das Hotel war ein wirklich ordentliches Haus, vielleicht aus den 60er Jahren mit nostalgischer, in die Jahre gekommener Einrichtung. Es hatte den Charm, den ich eigentlich mag. Unser Zimmer war verhältnismäßig groß und sauber. Das Personal an der Rezeption war sehr freundlich.

Pünktlich zur blauen Stunde waren wir dann auf der Champs Elysee. Dort haben wir noch Schaufenster angesehen und dann im Restaurant Brasserie d’Alsace gemütlich und sehr gut zu Abend gegessen. Ich fand es herrlich, dass ich mich nicht mit dem Metronetz befassen musste, sondern einfach meinem Mann folgen konnte. Der begreift die Pläne immer ganz schnell und kennt sich ohnehin gut aus in Paris. Er hat vor 20 Jahren dort ein Jahr gelebt als er ein Praktikum bei Cerruti machte.

Ein Abend im Moulin Rouge – mit Champagner

Um 20 Uhr standen wir vor der roten Mühle des echten Moulin Rouge im Vergnügungsviertel Pigalle in Montmartre, um die Ferrie Show zu sehen. Wer den gleichnamigen Baz Luhrmann Film mit Ewan McGregor und Nicole Kidman noch nicht kennt, sollte sich den unbedingt mal anschauen. Er wurde mit 2 Oscars ausgezeichnet. Die Organisation dieses Varieté Theaters von 1886 hat uns sehr beeindruckt. Jede Vorstellung ist in der Regel ausverkauft. Es gibt 850 Plätze, und die Show wird um 21 Uhr und um 23 Uhr aufgeführt. Zwischen der ersten und der späten Aufführung hat das Theater-Team genau 20 Minuten Zeit, um die Zuschauer hinauszugeleiten, die Plätze sauber zu machen und die bereits wartenden Zuschauer einzulassen. Es gibt keine reservierten Sitze. Mit einer Stunde Vorlaufzeit hatten wir noch sehr gute Plätze in der Mitte des Saals. Die vorderen Reihen waren bereits von den Zuschauern besetzt, die um 19 Uhr Dinner gebucht hatten. Bis es mit der Show los ging, sorgte eine Band und zwei Sänger für Unterhaltung. Für 10 Euro konnte man beim Online-Ticket-Kauf eine Flasche Champagner buchen. Die stand auch sehr schnell auf unserem Tisch und hat fantastisch geschmeckt, obwohl ich sonst eigentlich selten Alkohol trinke. 😉 Im Moulin Rouge gehört das dazu.

Die Show war spektakulär. Ein Highlight jagte das Andere. Am Anfang habe ich erst mal nur Glitzer und Brüste gesehen (die Hälfte der Tänzerinnen sind oben herum nackt). Neben den ständig wechselnden Kostümen und Bühnenbildern in den Tanznummern gab es außerdem Auftritte von Akrobaten auf Rollschuhem, Zwergponys und Tigerphytons in einem großen Aquarium. Der Gesang sollte den Anschein wecken, dass er Live sei. Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass es Playback war. Das hat uns aber nicht weiter gestört.

Trödelmärkte am Port de Clignancourt – ein kleines Abenteuer

Es war herrlich am Samstag auszuschlafen und in einem Straßencafé zu frühstücken. Wir haben den halben Tag auf den Floh/Antikmärkten am Porte de Clignancourt verbracht.

 

 

 

 

Mit der Metro fährt man ca. 25 Minuten vom Zentrum aus. Mein Mann und ich können stundenlang trödeln (auch ohne etwas zu kaufen). Immerhin haben wir uns zwei Drucke aus den 20er Jahren als Souvenir gegönnt. Die ältere Dame, die uns die Bilder verkauft hat, war etwas durcheinander. Sie hat uns statt zwei Bildern nur eins (und dann auch noch ein ganz Falsches) eingepackt. Leider haben wir nicht darauf geachtet, was sie uns eingepackt hat, sondern in der Zeit weiter gestöbert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hervorragend zu Mittag gegessen haben wir in dem Flohmarktviertel bei Chez Arnaud – ein kleiner Familienbetrieb, in dem nur Einheimische saßen. Als wir am Nachmittag zurück in der Innenstadt am Place de la Madeleine waren, um drei ältere Damen (seine damaligen Chefinnen) aus Patricks Praktikumszeit in einem Café zu treffen, wollten wir stolz unsere Schätze präsentieren. Gott sei Dank haben wir es schon in dem Café gemerkt, dass wir ein falsches Bild bekommen hatten. Also sind wir nach einem sehr netten Gespräch mit den Damen noch mal den ganzen Weg zurück gefahren/gelaufen und haben uns die richtigen Bilder geschnappt. Die Verkäuferin war sichtlich beschämt. Sie wollte uns sogar ein Taxi bezahlen. Das haben wir nicht in Anspruch genommen und es trotzdem pünktlich und umgezogen in die Opéra Garnier geschafft. Ohne ein bisschen Abenteuer wäre es ja auch langweilig.

Ballett in der Opéra Garnier – die Créme de la Créme

In der Pariser Oper – ich hatte uns schon von zuhause aus Karten für das Ballett Onegin besorgt – haben wir dann zufällig den COO der Firma getroffen, für die mein Mann arbeitet. Kleine Welt. Der COO arbeitet in London, hat aber mit seinem Lebensgefährten die Home Base in Paris. Ein wirklich nettes Gay Couple, das uns in den Pausen zu Champagner eingeladen hat. Schon wieder Champagner für mich! 😉 Die Aufführung war unglaublich schön – so wie ich es mir gewünscht hatte. Ich liebe Ballett, und am besten gefallen mir einfach immer noch die klassischen Inszenierungen mit großen Bühnenbildern und opulenten Kostümen. Wer die Geschichte von Onegin nicht kennt und dramatische Literaturverfilmungen mag, dem kann ich den gleichnamigen Film mit Liv Tyler und Ralph Fiennes empfehlen. Gegessen haben wir an dem Abend übrigens bei Exki – ganz auf die Schnelle vor der Aufführung. Exki ist eine belgische, gesunde, quality-Fastfood-Kette. Für die Kinder haben wir Mitbringsel in der Passage des Princes gekauft. Diese Passage aus dem Jahr 1860 gehört zu den schönsten der berühmten, überdachten Pariser Passagen. Hier gibt es fast ausschließlich Spielwarengeschäfte: für Mädchen auf der einen und für Jungen auf der anderen Seite. Meine Tochter hat einige Babypuppen der französchichen Marke Corolle. Meiner Meinung nach die hübscheste Babypuppe auf dem Markt. Ich könnte zwar auf den Vanilleduft verzichten, aber die Gesichter sind so schön. Für die Püppchen haben wir also neue Oufits ausgesucht (u.a. eine Latzhose mit Eifelturm). Für den kleinen gab es ein Hammer-Spiel in Form eines Krokodils aus Holz von der französischen Marke Djeco. Ich bin schon lange großer Fan von den Djeco Spielzeugen, weil das Design sehr geschmackvoll ist.

Spaziergang und Museum – an der Seine in Sonne

Am Sonntag haben wir nach dem Frühstück im schöne Grand Café Capucines einen langen Spaziergang durch den Tuileriengarten und an der Seine gemacht. Die Sonne schien und wir hatten richtig Frühlingsgefühle. Bei Ladureé haben wir Maccarons für die Schwiegereltern und für mich gekauft. Eigentlich finde ich die von Pierre Hermé noch besser, aber ein Geschäft lag nicht auf dem Weg.

Zum Lunch waren wir mit einem Cousin meines Mannes, der in Paris lebt, und dessen Freundin zum Brunch verabredet. Cousin Christopher hatte das sehr nette Nola Restaurant im Two Stories an einem Kanal ausgesucht – ein Insider-Tip. Das Essen war hervorragend, die Bedienung unheimlich aufmerksam, das Publikum hauptsächlich junge Locals und einige Familien. Mein Mann hat sich besonders über die Live-Klaviermusik gefreut.

Anschließend sind wir noch schnell durch das schöne Musee d’Orsay gelaufen, wo es unabhängig von den Renoirs, Monets und Manets auch noch eine Sonderausstellung zu Edgar Degas gab. Degas ist ja berühmt für seine Tänzerinnen-Bilder, die ich immer schon mal im Original sehen wollte. Die Ausstellung war also ein wunderbarer, runder Abschluss zu unserem vom Tanz geprägten Pariswochenende. Das Museum an sich (ein altes Bahnhofgebäude) ist übrigens schon einen Besuch wert. Dort gibt es auch ein sehr schönes Café/Restaurant mit tollem Ausblick.

Für die Dauerausstellung von Jugendstil-Möbeln hatten wir leider kaum noch Zeit. Nur zwei Zimmer konnten wir uns anschauen. Diese Formen müssen damals so verrückt und modern gewesen sein. Ich kann mich sehr dafür begeistern und frage mich, ob dieser Stil nicht irgendwann eine Renaissance erlebt.

Wieder Zuhause – alles gut

Am Ende unsere Reise ist es noch ein bisschen hektisch geworden, weil der Rossy Bus sehr voll war und lange bis zum Flughafen gebraucht hat. Gut, dass wir nur mit Handgepäck gereist sind.
Gegen 21:30 Uhr waren wir wieder zuhause, wo die Großeltern mit den schlafenden Kindern gewartet haben, bzw. unsere Tochter war noch wach. Sie durfte vom aufregenden Wochenende mit Großmami und Großvater erzählen und ihre Geschenke auspacken.

Uns allen hat dieses Wochenende sehr gut getan. Natürlich habe ich die Kinder zwischendurch ein bisschen vermisst, aber es ging ihnen ja gut. Mein Mann und ich hatten richtig verliebte Momente, und wir zehren jetzt noch von den schönen Erlebnissen. Verschaff dir mehr Mama-Papa-Zeit, wann immer es möglich ist oder sich die Gelegenheit bietet. Auch die Kinder spüren es und haben etwas davon, wenn die Eltern wieder näher beieinander sind.

Blog-Empfehlung – Paris mal anders

Sollte es für dich auch mal wieder nach Paris gehen, kann ich dir sehr den Blog ‚Paris mal anders‘ empfehlen, zu dem ich in diesem Artikel schon ein paar Mal verlinkt habe. Hier findet man schnell Hilfe zu relevanten Themen wie Metro und ein paar Geheimtips.

An welchem Ort hast du das letzte Mama-Papa-Wochenende verbracht? Welchen Kurztrip kannst du für Eltern, die mal ohne Kinder unterwegs sein möchten, empfehlen?

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