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London in 50 Stunden mit einer 4-Jährigen

London in 50 Stunden mit einer 4-Jährigen

Letztes Wochenende haben wir unserer Tochter einen Wunsch erfüllt und sind mit ihr nach London geflogen. Sie hat im letzten Jahr so oft zurückstecken und Rücksicht nehmen müssen auf das kleine Geschwisterchen. Die Idee war, dass unser Mädchen mal wieder seine Eltern für sich alleine haben darf. Nach unserem ‚Parents only’ Wochenende vor zwei Wochen in Paris, war mir das ein Bedürfnis. Da ich ab April wieder zurück in den Beruf gehe, war es mir wichtig das vorher in Ruhe zu machen.

Der kleine Bruder durfte dafür ein ganzes Wochenende die Aufmerksamkeit der Großeltern für sich alleine genießen, was ihm sehr gut getan hat (auch Großmami und Großvater hatten eine entspannte Zeit mit ihrem Enkelsohn). Ich wundere mich immer, wenn ich die lieben Statusberichte von meiner Schwiegermutter per SMS bekomme und lese, wie friedlich und lang der Kleine geschlafen und wie toll er gegessen hat (das muss an der Ruhe im Haus der Großeltern und den leckeren Maccheronis nach Uromas Rezept liegen).

Tag 1

Die Flugzeiten habe ich so gewählt, dass wir am Freitag entspannt um die Mittagszeit geflogen sind (ab Düsseldorf bis Heathrow Airport). Wir konnten den Kleinen also wie gewohnt freitags morgens nach dem Frühstück zu meinen Schwiegereltern fahren, die glücklicherweise nur 20 Minuten entfernt wohnen. Sie freuen sich immer über Enkelkinder-Besuch (auch mit Übernachtung) – eine win-win-Situation!

Für unsere London-Reise habe ich im Vorhinein ein London-Malbuch, einen London-Stadtplan für Kinder mit Stickern, ein London-Bilder/Vorlesebuch sowie das TipToi Englisch-Buch bestellt. Das Malbuch kam gleich beim Hinflug zum Einsatz. Das Vorlesebuch war wunderbar, um am Abend die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und um sich auf die Sehenswürdigkeiten am folgenden Tag vorzubereiten. Den Stadtplan haben wir erst beim Rückflug benutzt. Wir waren fast die ganze Stunde damit beschäftigt die richtigen Sticker an die besuchten Orte zu kleben. Für das TipToi-Buch kam gar kein Bedarf auf. Aber dem werden wir uns nächste Woche widmen. Seit Oktober letzten Jahres hat unsere Tochter ein Mal in der Woche Englischunterricht im Kindergarten. Dazu berichte ich bald in einem separaten Beitrag. Sie hat viel Freude am Erlernen der Sprache und in kurzer Zeit schon Einiges gelernt.

Wir haben Glück, dass einer der netten Cousins meines Mannes in London lebt. Wir durften bei ihm wohnen – mittendrin unweit der Kings Cross Tube-Station. Ein bisschen wie im Film: Cousin Philipp kommt ursprünglich aus Berlin und verliebte sich in die französische Austauschschülerin Alice aus Paris. Nun sind sie verheiratet und leben in einem modernen Architektenhaus mitten in London (er Investmentbanker, sie Rechtsanwältin…). Leider haben wir keine Zeit mit den beiden verbringen können, da sie just an diesem Wochenende zu einer Familienfeier nach Paris mussten. Wir hatten das ganze Haus für uns allein.

Bei Ankunft am Freitag Mittag lag  Schnee. Wir waren froh, dass die Maschine überhaupt landen konnte, weil sogar ein Schneesturm vorausgesagt war. Dementsprechend hatten wir uns aber auch schön warm eingepackt mit Thermowäsche usw. Von Heathrow sind wir per London Underground, genannt Tube (älteste U-Bahn der Welt!), mit der Piccadilly Line bis Kings Cross gefahren. Dauert etwas länger als mit dem Heathrow Express, aber ist wesentlich günstiger und fürs Kind schon das erste Highlight. Zweites Highlight: mit dem schwarzen London-Taxi („sieht genau aus wie im Buch Mama“) bis zum Haus von Philipp und Alice fahren, Gepäck abladen und dann auf Nahrungssuche gehen. Wir sind bei ‚Honest Burger‘ in der Umgebung von Kings Cross gelandet, denn wir hatten großen Hunger und keine Lust noch lange im Schnee die Restaurants abzuklappern. Wir waren überrascht wie qualitativ hochwertig das Essen dort war. Sehr gutes Fleisch, super leckere, handgeschnittene Fries – ups, ich meine Chips – und toller Service. Wenn es Stifte, was zum Ausmalen und einen Mango-Saft fürs Kind umsonst gibt, sind schon mal alle glücklich. Wir fanden übrigens das kleine Booklet zur Geschichte von ‚Honest Burger‘ so gut gemacht, dass ich es geklaut und mitgenommen habe. Es gab auch vegetarische Gerichte auf dem Menü, und die Burger-Buns konnte man für 1 Pfund Aufpreis glutenfrei bestellen.

Dann war es endlich soweit und wir sind mit unserer Tochter Doppeldecker-Bus bis zum Londoner West End gefahren. Natürlich haben wir oben in der ersten Reihe gesessen und versucht trotz beschlagener Scheiben so viel wie möglich zu sehen. Am Piccadilly Circus sind wir ausgestiegen und rumgelaufen. Das war eine ganz besondere Stimmung mit den vielen Lichtern, dem Schnee und den Straßenmusikern. Genug Eindrücke waren für den ersten halben Tag gesammelt. Bei Pret A Manger haben wir uns etwas zum Abendessen gekauft und gemütlich ‚zuhause‘ gegessen.

Tag 2

Wir haben es alle genossen auszuschlafen, denn normalerweise ist der Kleine spätestens um 6 Uhr hellwach. Nach dem Frühstück haben wir uns wieder warm angezogen und sind zum südöstlichen Ende von London gefahren, um dort den Tower of London und die Tower Bridge zu besichtigen.

Unsere Tochter war von den Soldaten, die den Tower bewachen, mehr beeindruckt als von den Kronjuwelen, die es im Inneren der Ringburg zu sehen gab. Für Kinder ist auch die Geschichte mit den zahmen Raben faszinierend, um die man sich dort sehr kümmert. Sollte es nämlich einmal keine Raben mehr um den Tower geben, würde er der Legende nach fallen.
Die laut schreienden Yeoman Warders oder Beefeaters sowie verkleidete Ritter beim Stationentheater haben unsere Tochter eher abgeschreckt. Da sind wir dann schnell eingekehrt und haben auch hier im sehr ordentlichen Selbstbedienungsrestaurant des Towers gut gegessen. Alles war frisch zubereitet und sah sehr appetitlich aus. Für uns gab es klassisch Fish & Chips mit feinen Erbsen. Nach dem Mittagessen sind wir noch durch alle Räume und Türme spaziert.

Uns hätte eigentlich der schöne Blick auf die Tower Bridge gereicht, aber unser Mädchen wollte unbedingt ‚drauf‘ sein, also haben wir das auch noch gemacht. Dann war es Zeit für eine Drinnen-Aktivität zum Aufwärmen.

Ein Kollege hatte uns das London Transport Museum am Covent Garden empfohlen, das sich mit der Transportgeschichte der City beschäftigt und u.a. viele historische Fahrzeuge ausstellt, die man erkunden darf – für Kinder ab 3 absolut geeignet und wirklich toll gemacht. Am Eingang erhält jedes Kind eine Karte mit Zahlen/Stationen auf die es Loch-Stempel im ganzen Museum sammeln kann. Für sowas lassen sich die Kleinen immer begeistern, und wir konnten auch nicht gehen, bevor alle Stempel geschafft waren. Der Einritt ist für die unter 18-Jährigen frei.

 

Am Covent Garden selbst kann man sich noch lange aufhalten. Hier gibt es viele hübsche Geschäfte, Cafés und eine Markthalle. Die verschiedensten Straßenkünstler treten dort auf. Manche können nichts und bei anderen verweilt man sogar gerne und klatscht Beifall. Zum Abschluss des Tages sind wir wieder zum West End gefahren und haben unserer Tochter die meiner Meinung nach schönsten Kaufhäuser – Liberty und Selfridges – gezeigt. Ich könnte in jedem locker einen ganz Tag verbringen, aber mit müdem Kind war da nicht mehr viel Zeit zum Shoppen. Zumindest habe ich bei Liberty – dem luxuriösen Kaufhaus im Tudor-Revival-Stil – wieder meinen Vorrat an außergewöhnlich schönen Grußkarten aufgestockt. Wer sich wie ich für Visual Merchandising interessiert, kann bei Instagram meine besten Schnappschüsse von inspirierenden Warenpräsentationen ansehen.

Auf dem Rooftop von Selfridges gibt es ein sehr gutes italienisches Restaurant. Dort sind wir zum Abendessen eingekehrt. Pizza sowie Pasta waren hausgemacht und von bester Qualität. Highlight für unser Mädchen war eine Art Tunnel mit vielen, kleinen Lichtern durch den man in den Restaurant-Bereich eintritt. Wir sind da mindestens vier mal durchgetanzt – denn die Musik war dort wie in einem Club.

Tag 3

Am Sonntagmorgen sind wir in Sonne zum Buckingham Palace gefahren, um dort den berühmten Change of Guards (Wachwechsel) mitzuerleben. Der Schnee war geschmolzen, es war wesentlich wärmer und ich viel zu dick angezogen. Wenn man an der Kaserne am St James’s Park wartet, dass die Soldaten mit Musikkapelle zum Schloss marschieren, kann man bei Langeweile mit den Kindern auf einen schönen Spielplatz gehen. Dort gibt es auch einen Kiosk mit Snacks und Getränken. Mitten im Park liegt ein großer See mit zwei Inseln. Von den Brücken aus hat man eine wunderschöne Sicht auf das London Eye zur einen und den Buckingham Palace zur  anderen Seite. Der Wachwechsel ist ein großes Spektakel mit berittener Polizei sowie Polizisten auf Fahrrädern, die die Straße zum Schloss frei halten. Sehr nett haben einige der Polizisten mit unserer Tochter ‚High Five‘ gemacht und ihr zu gewunken. Mein Mann fand es irgendwie absurd, dass die Wachen bei ihrem Marsch von so viel Polizei bewacht werden, obwohl sie doch selber die Wachen sind…. hat er wie immer Recht.

Nach diesem Event sind wir bis South Kensington gefahren, um das Natural History Museum zu besuchen – eines der größten naturhistorischen Museen der Welt. Der Eintritt ist für alle frei, aber es wird um Spenden gebeten. Ich weiß noch sehr gut wie sehr mich mein erster Besuch dort beeindruckt hat. Das Gebäude an sich ist schon eine Sehenswürdigkeit. Jedes Tier kann man dort ausgestopft oder nachgebildet anschauen. So bekommt man zum Beispiel erst wirklich ein Gefühl für die Größe eines Wals, der unter der hohen Decke hängt. Unter ihm sind Elefant, Nilpferd etc. platziert, von denen man vorher dachte sie seien große Tiere. Spektakulär ist für die Kinder auch die Dinosaurier-Ausstellung mit vielen Skeletten und einem nachgebauten T-Rex, der sich wie ein echtes Tier bewegt (Erinnerung an Jurassic Park). Die Große fand das gar nicht gruselig wie ich erst befürchtet hatte. Ihre Aufnahmefähigkeit war nach dem Mittagessen im Museums-Restaurant (T-Rex Grill) nicht mehr groß. Papa musste sie auch nur noch auf den Schultern tragen. Da war nichts mehr mit selber laufen.

Bei Harrods haben wir für unsere Gastgeber frische Blumen und für die Großeltern Pistazien im Kakaomantel gekauft. Im Untergeschoss des edlen Kaufhauses steht übrigens das kitschigste Denkmal, das ich je gesehen habe: ein Princess Diana & Dodi Memorial in Form eines Brunnens mit Fotos der Verstorbenen sowie eine lebensgroßen Bronzestatue der Beiden. Für Lady Di Fans sicher ein Grund bei Harrods Halt zu machen. Ein bisschen geärgert hat mich, dass alle Schaufenster abgeklebt waren – zwei Tage später und wir hätten die aufwendig dekorierten „Peter the Rabbit“ Fenster bewundern können. Der kommende Kinofilm über den Kult-Hasen aus England wird überall groß promoted – passend zum Osterfest. Ich als VM-Fanatiker und altem Beatrix Potter Fan (der Schöpferin von Peter Hase), hätte diese Schaufenster wirklich live sehen sollen (das Kinderzimmer-Thema meiner Tochter sind Beatrix Potter Figuren). Hier gibt es noch die Zeichnungen/Entwürfe für die Dekos der Peter Rabbit Harrods Windows zu sehen.

Unser Rückflug ging am Abend ab London City Airport, den wir bequem mit der Bahn (Docklands Light Railway) erreicht haben. Für unsere Tochter war das noch mal spannend auch Overground zu fahren. Wir konnten glücklicherweise ganz vorne im ersten Abteil direkt hinter der Scheibe sitzen, so dass sie wie beim Simulator im Transport Museum das Gefühl hatte den Zug selbst zu lenken. Mit einer kleinen Dash 8 Propellermaschine ging es nach Hause. Obwohl es ganz schön laut war und ordentlich wackelte, hat unser Mädchen sich nicht beschwert und ist erst kurz vor der Landung in ihrem Sitz fest eingeschlafen. Mein Mann hat sie dann wieder getragen, und bis zum nächsten Morgen ist sie auch nicht mehr aufgewacht. Als ich sie am Montag frage, was ihr denn am besten gefallen hat in London, sagt sie „alles Mama. Alles hat mir am besten gefallen“. Natürlich durften die Kinder gleich die neuen Longsleeves mit dem Doppeldecker-Bus und Tube-Socken im Kindergarten anziehen – ein sehr schönes Souvenir aus dem London Transport Museum Shop (aus 100% Baumwolle) 😉

Fazit

Die Jahreszeit war gut gewählt, um nach London zu reisen. Die Stadt ist dann nicht so überlaufen (keine langen Schlangen an den Sehenswürdigkeiten und Museen). Bemerkenswert finde ich, dass wir das gesamte Wochenende ohne Bargeld ausgekommen sind. In Deutschland wäre das unvorstellbar. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist einfach und fair geregelt: man braucht keine Papiertickets (wie für die Metro in Paris) oder Oystercard mehr. Wenn man im Besitz einer Kreditkarte mit dem Wellenzeichen ist, kann man überall kontaktlos und schnell durch Vorhalten der Karte an einen Button bezahlen. Es gibt einen maximalen Betrag, den das System pro Tag abbucht. Man muss sich also keine Gedanken darüber machen, ob man mit einem anderen Ticket Geld hätte sparen können – super! Es ist gut sich nicht zu viel vorzunehmen, denn London ist immer eine Reise wert. Wenn wir wieder kommen, gibt es neue, spannende Highlights zu entdecken. Eventuell würde sich dann der Kauf eines London Pass lohnen, um Eintrittsgelder zu sparen.

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