Kinder & Familie, mama mußestunden, mama zuhause
Schreibe einen Kommentar

Ballett für beide

Letzten Sommer (2017) haben wir unsere Tochter zur tänzerischen Früherziehung angemeldet. Für Sportlichkeit, Körper- und Rhythmusgefühl soll das ja die beste Vorbereitung sein. Als sie 3 Jahre alt war, haben wir es schon mal probiert, aber das Interesse war noch nicht wirklich da (obwohl sie so gerne zuhause im Wohnzimmer getanzt hat). Also haben wir uns noch ein Jahr Zeit gelassen. Wir sind hier in der Luxus-Situation, dass wir zwischen 3 Schulen in unserem Ort wählen konnten: eine klassische Ballettschule, die nach der russischen Methode unterrichtet (alle Kinder müssen gleiche Trikots tragen, Haare zum Dutt, klassische Musik u.s.w.), eine ganz normale, nette Tanzschule, die neben den Standardtänzen für Erwachsene auch Kindertanz anbietet (ein bisschen wir Kinderdisco im Robinson Club) sowie eine Schule für kreativen Tanz und Bewegung (die Kinder können anziehen was sie möchten, abwechslungsreiche Musik, zwei junge Lehrerinnen bringen spielerisch die Bewegungen bei).

Überall haben wir geschnuppert und eigentlich hat uns alles auf seine Weise gut gefallen. Wäre es nach meiner Tochter gegangen, hätte sie sich für die Tanzschule mit der Discokugel entschieden (auch weil da ihre Zwillingsjungs-Freunde aus der Krabbelgruppe von früher und jetzt vom Turnen mitgemacht haben). Die Kurszeit hätte sich aber mit ihrer Turnstunde überschnitten (und die geht ihr über alles!), also hatte ich einen guten Grund sie von der Ballettschule um die Ecke zu überzeugen. Ich finde es gut, dass die Kinder dort Zugang zur klassischen Musik bekommen und ‚Uniform‘ schadet nicht. Die Mama ist nämlich früher auch sehr gerne zum Ballett gegangen… aber darüber kannst du in diesem anderen Beitrag lesen.

Es hat zunächst viel Überredungskunst gekostet, dass es toll ist ein rosa Trikot, Strumpfhosen und Schläppchen zu tragen. Meine Tochter ist nämlich überhaupt nicht das typische Mädchen, das Pink, Glitzer und Kleidchen liebt. Im Gegenteil. Sie zieht am liebsten Jeans oder kurze Hosen an. Bunt soll alles sein. Strumpfhosen sind ein Kraus – viel zu eng. Die Haare müssen am besten offen sein und ums Gesicht fliegen. Eine Frisur hält maximal 15 Minuten, dann sind Spängchen und Haargummis wieder raus – „das stört mich“, sagt sie. Wir machen ein Happening draus und fahren Samstags in den Ballettladen in der Stadt. Meine Tochter darf sich die Sachen selbst aussuchen und anprobieren. Bei der Anprobe zweifle ich aber schon, ob das so gut geht und sie dann wirklich die Sachen anziehen möchte, wenn es mit dem Unterricht los geht. Statt Strumpfhosen haben wir Leggings gekauft. Das war ein guter Kompromiss. Ich habe es geschafft noch eine Kindergartenfreundin aus dem gleichen Ort für die tänzerische Früherziehung zu akquirieren, so dass die beiden Mädchen ohne große Probleme ohne die Mamas im Ballettsaal geblieben sind. Mittlerweile hat meine Große auch keine Probleme mehr damit, wenn die Freundin nicht dabei ist. Die Anderen in der Gruppe sind auch nett.

Während ich ein Mal in der Woche Nachmittags mit dem Kleinen in der Ballettschule auf seine Schwester warte, kann er im Bällebad toben oder den anderen, größeren Mädchen dabei zu sehen wie sie sich aufwärmen und ihre Haare zu Knoten binden. Ich frage mich schon, ob er auch mal Interesse am Tanzen haben wird, wenn er jetzt schon so viel Ballettschulen-Luft schnuppert. Bis jetzt habe ich noch keinen Jungen in keiner der Klassen gesehen. Schade eigentlich. Meiner Tochter ist das auch schon aufgefallen, und sie findet das richtig komisch. Ich erkläre ihr, dass es an unserem Land liegt. In Deutschland ist es eben nicht üblich, dass Jungs tanzen. Schon gar nicht Ballett. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus. Ich freue mich schon, wenn ich ihr mal das Musical ‚Billy Elliot’ zeigen kann.

Lustigerweise haben meine Tochter und ich die gleiche Ballettmeisterin (ja – auch ich habe mich endlich wieder angemeldet), die ihre Sache richtig gut macht. Ich finde das so so so so schön. Wie ihre Karriere wohl ausgesehen hat, frage ich mich manchmal während des Unterrichts am Abend. Sie sieht noch so jung aus. In einem kurzen Gespräch erfahre ich, dass sie schon Anfang 40 ist und zwei große Kinder hat (ich glaube 17 und 20 Jahre) – wow! Es hätte auch viele Vorteile die Kinder früh zu bekommen, meint sie. Manchmal ist ihr Akku vom Ipad, über den sie die Musik abspielt, fast am Ende. Dann kommt sie ein bisschen ins Schwitzen und erzählt, dass ihre Tochter oft das Kabel klaut, um auf dem iPad Serien oder Filme zu schauen. Unsere Ballettlehrerin fährt einen cremefarbene Mini Cooper (wenn meine Kinder mal groß sind, möchte ich auch genau dieses Auto fahren). Am Rückspiegel hängt die Miniatur von einem Spitzenschuh. So einen hat meine Tochter auch von ihrer Oma bekommen und der unterschiedet jetzt den Tanz- vom Turnbeutel.

Tanzen deine Kinder auch in einer Schule oder einfach zuhause im Wohnzimmer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.