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Tulpenfieber Open Air

Mein Mann und ich haben das Drama ‚Tulpenfieber‘ letzten Sommer im Open Air Kino in Düsseldorf gesehen (seit 2017 „Alltours-Kino“, davor auch „Commerz Real Cinema“ oder „Frankenheim Open Air Kino“). Es war unser erster Ausgang ganz ohne Kinder seit der Kleine auf der Welt war (also seit Oktober 2016!). Ein großer Moment. Der Abend sollte etwas besonderes werden. Ich hatte die Karten für die Vorpremiere von Tulpenfieber etwa zwei Wochen vorher gebucht in der Hoffnung auf gutes Wetter. Da ich Historienfilme liebe, mein Mann und ich Tulpen und Amsterdam lieben, ich die Hauptdarstellerin Alicia Vikander unheimlich gerne sehe, erschien mir der Film perfekt. Natürlich war dann für diesen Tag richtig schlechtes Wetter mit Regen am Abend gemeldet. Trotzdem sind wir zum Rheinufer gefahren und wollten uns vom Wetter nicht die Aktion ruinieren lassen. Wir sind ja nicht aus Zucker. Und wie von Zauberhand kam auf einmal die Sonne durch, schob die grauen Wolken weg und ließ uns einen spektakulären Sonnenuntergang genießen. Es blieb den ganzen Abend trocken.

Wir waren das erste Mal im Open Air Kino und positiv überrascht: alles war sehr gut organisiert und das Publikum ordentlich. Sobald man eingetreten ist, bekommt man ein Schild mit Gummiband, so dass man sich Plätze reservieren und noch etwas Essen oder Trinken gehen kann. Große Enttäuschung für mich allerdings: es gab kein Popcorn. Kino ohne Popcorn? Habe ich nicht verstanden. Wo es doch sonst dort alles zu kaufen gab. Nächstes Mal würde ich mir eine Tüte in die Handtasche schmuggeln. Übrigens: die Saison für das Open Air Kino Düsseldorf 2018 ist vom 19. Juli bis zum 19. August.

Nun zu dem Film, der auf dem gleichnamigen Buch von Deborah Moggach basiert (die übrigens auch das Drehbuch zu Stolz und Vorurteil von 2005 geschrieben hat und selbst in Tulpenfieber als pfeiferauchende und biertrinkende Frau kurz auftritt):
Die Handlung findet in Amsterdam im Goldenen Zeitalter (niederländisch de Gouden Eeuw) statt – eine rund einhundert Jahre andauernde wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit in den Nierderlanden, die ungefähr das 17. Jahrhundert ausfüllt und in der Kunstgeschichte ohne Beispiel ist.

Kleiner geschichtlicher Exkurs am Rande: auf dem Höhepunkt des Goldenen Zeitalters um 1650 arbeiteten in den Niederlanden circa 700 Maler, die jährlich etwa 70.000 Gemälde fertigstellten. Ein solcher Gemäldeausstoß ist in der gesamten Kunstgeschichte beispiellos, weder in der italienischen Renaissance noch in Frankreich zur Zeit des Impressionismus hat es so etwas gegeben. Insgesamt produzierten die niederländischen Maler mehrere Millionen Gemälde, weshalb man heute in nahezu jedem Museum für alte Kunst niederländische Gemälde antreffen kann.¹

Tulpen waren seit ihrer Einführung in die Niederlande in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Liebhaberobjekt. Sie wurden in den Gärten der sozial gehobenen Schichten des gebildeten Bürgertums, der Gelehrten und der Aristokratie kultiviert. Zu den auf Tauschhandel gegründeten Beziehungen dieser Liebhaber kam zum Ende des 16. Jahrhunderts der kommerzielle Handel mit Tulpen hinzu. In den 1630er Jahren stiegen die Preise für Tulpenzwiebeln auf ein vergleichsweise extrem hohes Niveau, bevor der Markt zu Beginn des Februars 1637 abrupt einbrach. Zeitweise war eine einzige Tulpenzwiebel mehr wert als ein ganzes Haus in der Innenstadt von Amsterdam. Die Tulpenmanie wird als die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen.²

Vor dieser Kulisse wird nun die Geschichte von der schönen Kaufmannsgattin Sophia (Alicia Vikander) und des Malers Jan (Dane DeHaan) erzählt, die nach langem Widerstand von Sophias Seite eine Affäre beginnen. Zusammen mit Sophias Magd Maria schmieden die Liebenden einen ziemlich gefährlichen und vermessenen Plan, um die Stadt verlassen zu können. Sie setzen alles auf eine Karte, rechnen jedoch nicht mit dem Undenkbaren: dass der Tulpenmarkt eines Tages zusammenbricht. Wirklich Mitleid hatte ich am Ende mit Sophias Gatten, dem Tulpenhändler Cornelis Sandvoort (gespielt von Christoph Waltz). Judi Dench spielt eine Äbtissin, und auch das Supermodel Cara Delivigne hat einen kurzen Gastauftritt als Hure. Mehr möchte ich nicht über die Handlung verraten, falls du dir den Film anschauen möchtest.

Die Bilder, Kostüme und Musik fand ich wunderschön. Allerdings haben mich persönlich die komischen Momente in der Handlung sehr gestört. Stattdessen hätte ich mir noch mehr Dramatik und Einblick in die Geschichte des Tulpenhandels gewünscht. Maler Jan war meiner Meinung nach nicht optimal besetzt, bzw. erschien er mir nicht ganz glaubwürdig in seiner Rolle. Und wieder einmal war ich mir sicher, dass der Film im Originalton drei mal besser gewesen wäre. Deswegen zum Schluss der Trailer für dich im O-Ton.

Übrigens lieben wir ganz besonders weiße Papageientulpen – hast du eine Lieblingssorte?

¹Quelle: Seite „Goldenes Zeitalter (Niederlande)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. Februar 2018, 09:47 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Goldenes_Zeitalter_(Niederlande)&oldid=173780604 (Abgerufen: 13. Februar 2018, 11:52 UTC)

²Quelle: Seite „Tulpenmanie“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Oktober 2017, 17:18 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tulpenmanie&oldid=170320528 (Abgerufen: 13. Februar 2018, 11:57 UTC)

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