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Eine neue Familienzeitschrift

Eine neue Familienzeitschrift: die Süddeutsche Zeitung Familie

Manchmal nehme ich mir die Zeit und schaue beim Einkaufen noch kurz über das Zeitschriftenregal. Vielleicht springt mir etwas ins Auge, das interessant ist. So bin ich auf das neue Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung gestoßen – der große Smiley auf dem Cover und das ‚2 in 1!‘ auf dem Einband haben bei mir sofort gezogen. Auch der Untertitel ‚Wie man Kindern beibringt, sich um die Welt zu kümmern‘ fand ich spannend. Ich legte das Heft in den Einkaufswagen. Ich muss dazu sagen, dass wir nicht regelmäßig Zeitschriften kaufen. Meistens kommt man nämlich doch nicht dazu sie zu lesen, und dann häuft sich das Papier und das schlechte Gewissen an.

Tatsächlich habe ich beide Teile des Magazins komplett durchgelesen (noch bevor ich die Absicht hatte darüber in einem Blog zu schreiben!). Zieht man also den Umschlag am Rücken ab, hat man zwei separate Hefte – eins für die Eltern, eins für die Kinder (sehr löblich: es ist werbefrei). Allein das Auseinanderziehen fand meine Tochter schon toll, und dass sie ihr eigenes Heft bekommt noch toller. ‚Mein Heft ist dein Heft‘ steht noch klein auf dem Cover. Das Konzept dahinter ist, dass sich einige Artikel aus Eltern- und Kinderheft mit dem gleichen Thema beschäftigen. So wird z.B. eine Familie von den Philippinen vorgestellt. Im Elternteil gibt es ein Interview mit Mutter und Vater, im Kinderteil erzählt die Tochter über Schule, Hobbies und ihr Leben. Ich finde, dass ist eine schöne Idee. Der Kinderteil eignet sich für Kinder von 4 bis 11 Jahren. Den Eltern wird es leicht gemacht das Magazin mit den Kindern zu lesen: jede Seite ist mit einem Punkt gekennzeichnet. Blaue Punkte bedeuten, dass auch Vorschulkinder mit dem Artikel etwas anfangen können. Der rote Punkt funktioniert gut ab dem Erstlesealter während man für den schwarzen Punkt schon 8 Jahre alt sein sollte.

Absolutes Highlight dieser Ausgabe waren die bunten Aufkleber, mit denen man Luftballons lustiges Gesicht verleihen konnte. Welches Kind liebt nicht Luftballons und Aufkleber? Also sehr passende Aktion zu Karneval. Meine Tochter wird gerne kreativ und hat aus ihren Kinderzimmer-Möbeln eine ‚Luftballon-Sortier-Station‘ gebaut, in der die Ballons eingeklemmt sind und man die Gesichter gut sehen kann. Auf welche Ideen Kinder manchmal kommen – herrlich. Zweites Highlight war der Malwettbewerb. Ein eigenes Wappen mit gewissen Vorgaben sollte gestaltet werden: vier Felder, die mit einem Muster in Lieblingsfarben, dem Bild vom eigenen oder Traumhaus, einem Spielzeug und einer Sache, die die ganze Familie mag gefüllt werden mussten. Der Gewinner bekommt sein persönliches Wappen fürs Kinderzimmer aus Holz mit der eigenen Gestaltung aufgedruckt. Meine Große war Feuer und Flamme für diese Aktion. Leider haben wir ihr Wappen schon eingeschickt und ich habe kein Foto, nur eine schlechte Kopie davon gemacht. Dann gab es noch witzige ‚Weg-Schau-Brillen‘ zum Basteln, die man zum nächsten Zoobesuch mitnehmen kann. Wir haben gelernt, dass man Gorillas nicht direkt anstarren und in die Augen schauen darf. Das löst Stress bei den Tieren aus, weil es als Ansage zum Kampf von ihnen verstanden wird. Habe ich nicht gewusst. Außerdem gab es einen schönen Artikel über den Nebelbogen (auch hier habe ich dazugelernt), Wimmelbilder, ein Zahlen-Verbinden-Spiel und mehr. Super fand ich auch die Vorlesegeschichte mit eingebunden Bildern, so dass auch Nichtleser aufmerksam mitlesen können. Das Kinderheft hat uns einige Stunden sinnvoll beschäftigt und Spaß gemacht. Meine Tochter freut sich schon auf die nächste Ausgabe, die Ende Februar kommt. Wenn man alle Magazine eines Jahres sammelt, bilden die Heftrücken ein ‚Rückenmonster‘.

Nun zum Elternteil: sympathisch ist, dass auf der ersten Seite das 12-köpfige Süddeutsche Zeitung-Familien-Team vorgestellt wird, das das Heft gestaltet – alles Mamas und Papas, die zusammen mehr als 40 Kinder haben. Das ist doch mal was. Die müssen Ahnung haben. Dann geht es weiter mit einer Umfrage ‚welches ist das beste Alter im Leben‘. Dazu werden irgendwelche Leute aus allen Altersgruppen befragt. Klasse fand ich die Antwort von Astrid Kaminski (40): „Was mich antreibt, ist das wahrscheinlich unrealistische Gefühl, dass die beste Zeit noch kommt: weniger Stress, weniger Anspruch, weniger schlechte Politik, ein Tiny House und ein großer Baum…“. Nicht so interessant fand ich den Artikel zu einer Statistik über Januarkinder. Umso mehr hat mich das Interview mit der Autorin Juli Zeh zum Titelthema beeindruckt. Ich muss dabei gestehen, dass mir Juli Zeh bisher kein Begriff war, obwohl sie angeblich die heute bekannteste deutsche Schriftstellerin ihrer Generation (geb. 1974) ist. Ihre Einstellung zum Thema Disziplinierung von Kindern und wie man die eigene Haltung seinen Kindern besser vorleben als erklären kann, hat mich inspiriert. In ihrem Interview geht es auch um antrainierte Versagensängste, die schon zu Reflexen geworden sind und gegen die man sich als Eltern unbedingt wappnen sollte. So sagt sie z.B. dass der Reflex, auf keinen Fall Fehler machen zu wollen, alles absichern zu wollen, für alles vorsorgen zu wollen, aus einer Fremdbestimmung her resultiert. „Wenn man merkt, diese Panik wallt in einem auf -Stecker ziehen und sagen: Komm runter, du bist nur ein Mensch. Du hast nichts unter Kontrolle, und morgen kann alles schon wieder ganz anders aussehen.“ Ich habe mich absolut wiedergefunden in vielen ihrer Zeilen. Ständig mache ich mir z.B.Gedanken, ob wir das richtig entschieden haben mit dem privaten Kindergarten im anderen Dorf und ob das Auswirkungen haben wird auf die Situation in der Grundschule, der Freundeskreis u.s.w.

Ergänzend zu dem Interview mit Juli Zeh gibt es noch eine Seite mit wirklich guten Tipps aus der Redaktion für ein gutes Miteinander – vom Ich zum Wir. Denn das liegt der Autorin auch am Herzen, dass die Eltern verlernen ihren Kindern zu vermitteln sich für die Gemeinschaft der Menschen und die Probleme der Welt zu engagieren. Vor lauter Streben nach Optimierung der eigenen Familiensituation und dem ganz verinnerlichten Leistungsdenken, entwickelt sich unbeabsichtigt bei den Eltern eine gewisse Egozentrik – „was macht das langfristig mit unseren Kindern“ fragt Juli Zeh vollkommen zu Recht?

Es gibt in dem Elternmagazin aber auch leichte, erheiternde Artikel z.B. zum Einhorn-Wahn, zur Sache mit den WhatsApp-Gruppen (da habe ich richtig schmunzeln müssen) oder eine kurze Vorstellung von ’40 Müttern, die wir lieben‘. Auch der sehr ehrlicher Beitrag zum Alltag einer Patchwork-Familie hat mir gut gefallen. Alles in allem bietet die Zeitschrift meiner Meinung nach eine gelungene Mischung an Lesestoff und ist ihr Geld wert (7,90 Euro). Ich dachte, dass sich vielleicht eher Mütter von den Inhalten angesprochen fühlen als Väter und mein Mann bestimmt zu der ‚richtigen‘ Süddeutschen Zeitung greifen würde, wenn er die Wahl hätte. Das hat er mir nicht bestätigt! Auch er fand viele Beiträge interessant und lesenswert.

Welche Familienzeitschrift hat dich schon mal begeistert?

 

3 Kommentare

  1. raeuberkindermama sagt

    Das ist ja mal ein toller Tipp! Da werde ich mal die Augen offen halten bzw. mich online schlau machen! Danke fürs inspirieren 🙂

    • Julia sagt

      Sehr sehr gerne! Die Zeitschrift ist wirklich so toll. Für jeden was dabei! Leider schwer zu finden, bzw. oft schon vergriffen, weil die Läden/Kiosks nur 5 bestellen. Der letzten Ausgabe sind wir wirklich hinterher gelaufen, so das wir nun über ein Abo nachdenken. Kannst ja mal erzählen wie sie dir und den Kindern gefallen hat! Ganz lieben Dank für deinen Kommentar, Julia

      • Raeuberkindermama sagt

        Ich habe tatsächlich heute ein Abo abgeschlossen, weil meine Befürchtung auch war, dass ich im Geschäft bestimmt immer zu spät komme. Und da eine liebe Freundin bei der SZ arbeitet, hoffe ich noch raus zu kriegen, ob und wie man an die älteren Ausgaben kommt. Ich berichte 😄 liebe Grüße!!!

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